Phänologie Vorarlberg
www.phaenologie.com





Was ist Phänologie?

Viele natürliche Prozesse unterliegen einem jahreszeitlichen Zyklus. Am deutlichsten zeigt sich dies wohl im Wandel der Vegetation. Obwohl sich diese Prozesse Jahr für Jahr wiederholen, variieren die einzelnen Phänomene doch zeitlich von Jahr zu Jahr. Die Phänologie untersucht diese zeitlichen Verschiebungen.
Phänologische Prozesse sind stark witterungsbeeinflusst. Lange Beobachtungsreihen, die bestimmte Trends zeigen, können aber auch Hinweise auf großräumige oder sogar globale Veränderungen geben – etwa für einen weltweiten Klimawandel.

Bereits früh beschäftigen sich die Menschen mit phänologischen Veränderungen. In Vorarlberg berichtete Pater Bruhin 1868 über „Periodische Erscheinungen in der Thierwelt von St. Gerold“ und beobachtet den Einzug der Mehlschwalbe im Jahr 1866 am 4. Mai, 1867 hingegen erst am 23. Mai. Von wesentlicher Bedeutung ist die Phänologie seit jeher für die Land­wirt­schaft: Rudolf Sperger erfasste die „Auf und Abblüherfolge der wichtigsten Obstsorten in den Jahren 1929, 30 und 31“, Ferdinand Falger „Den Einzug des Frühlings in Vorarlberg“ anhand der Apfelblüte, die er über Fragebögen ermit­tel­te, die er an Schulen in ganz Voralberg sandte.

Literatur:
Bruhin, T. A. (1868). Periodische Erscheinungen in der Thierwelt von St. Gerold (47° 12’ nördl. Br.; 27° 28 ‚ östl. L. – 2431’ u. M) auf­ge­zeich­net in den Jahren 1866 und 1867 von P. Th. A. Bruhin. In: Der Zoologische Garten 9: 104-106
Falger, F. (1933): Der Einzug des Frühlings in Vorarlberg. Heimat 14 (3): 41-47
Sperger, R. (1929): Auf und Abblüherfolge der wichtigsten Obstsorten in den Jahren 1929, 30 und 31. Mitteilungen der Vorarlberger Bau­ern­kammer 12: 276-279


Beispiel für die zeitliche Korrelation phänologischer Ereignisse in Vorarlberg



Schwärmen der Frühlings-Seidenbiene (Colletes cunicularius)



Frühlings-Seidenbienen bauen ihre Nist­röhren bevorzugt in trockenen Böden. Im Früh­jahr treten sie in ge­eig­neten Le­bens­räumen, bei­spiels­wei­se auf Dämmen, treten sie oft in vielen tausend Exemplaren gleichzeitig auf.
Blühbeginn Schlehdorn (Prunus spinosa)



Der Schleh- oder Schwarzdorn zählt zu den an frühesten blühenden Sträu­chern. Die Blüten erscheinen im April – lange vor dem Laubaustrieb.
Blühbeginn Wiesen-Löwenzahn (Taraxacum officinale)



Der Wiesen-Löwenzahn blüht bereits im Frühling und findet daher auch in intensiv bewirtschafteten Wiesen ge­eigneten Lebensraum.




Blühbeginn Bärlauch (Allium ursinum)




Bärlauch wächst bevorzugt in Au­wäldern und schattigen, feuchten Laubwäldern. Er blüht von April bis Mai. Aufgrund seines an Knoblauch erinnernden Geschmacks gilt er als beliebtes Wildgemüse.
Blühbeginn Birnbaum (Pyrus communis)



Die weißen Blüten dieser alten Kultur­pflanze öffnen sich in den meisten Regionen im April. Da Birnen etwas früher als Apfelbäume blühen, sind sie besonders stark durch Spätfröste gefährdet.
Blühbeginn Scharbockskraut (Ranunculus ficaria)



Dieser Frühjahrsblüher wächst be­vor­zugt in feuchten Wiesen, Gebüschen und Laubwälder. In tieferen Lagen öffnen sich die leuchtend gelben Blüten bereits im März. Schon im Mai oder Juni verschwindet die Pflanze dann und zieht ihre Blätter ein.


Obwohl keine ökologische Verbindung zwischen den ausgewählten Arten besteht, zeigt sich doch eine deutliche Korrelation in deren Entwicklungszyklus. So war etwa das Jahr 2013 durch einen außergewöhnlich langen und im Talraum schnee­reichen Winter geprägt, während 2014 die Schneebedeckung in tiefen Lagen nur sehr kurz anhielt und das Vege­tations­wachstum sehr früh einsetzte. Die phänologische Entwicklung 2015 liegt etwa zwischen diesen beiden Extremen.

Oberes Diagramm. Die Beobachtungen von Frühlings-Seidenbienen und Schwarzdorn stammen aus dem Bodenseeraum, die des Wiesen-Löwenzahns aus dem Rheintal rund 20 km südlich des Bodensees.
Unteres Diagramm: Die Beobachtungen von Bärlauch und Birnbaum stammen wiederum aus dem Bodenseeraum, die des Scharbockskrauts aus dem Rheintal rund 20 km südlich des Bodensees. Aus den Jahren 2010 und 2012 stehen hier keine Daten zur Verfügung.


Phänologie im Internet

>>  PhenoWatch - ZAMG Phänologie: www.phenowatch.at
>>  Deutscher Wetterdienst - Phänologie: www.dwd.de/phaenologie
>>  MeteoSchweiz - Phänologie und Pollen: www.meteoschweiz.admin.ch/home/klima/gegenwart/phaenologie-und- pollen.html
>>  Die Internationalen Phänologischen Gärten Europas: ipg.hu-berlin.de/ipg/

© UMG Umweltbüro Grabher | Meinradgasse 3, A-6900 Bregenz
T +43 (0)5574 65564 | office@umg.at | www.umg.at
UMG Umweltbüro Grabher